Wie wird heute Schwimmen gelernt?


Viele Eltern denken, dass ihr Kind, sobald es mit den Schwimmflügeln alleine vorwärts kommt, ohne weiteres mit dem Schwimmen lernen beginnen kann. Dann fangen sie oftmals an, ihnen ein paar Schwimmzüge im "Entenschwimmstil" über Wasser zu zeigen. Dies ist nicht optimal, da das Verhältnis vom Kopf zum Körper bei Kindern noch nicht dem eines Erwachsenen entspricht. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper noch zu gross und zu schwer. Deshalb ist das dauerhafte Heben des Kopfes im Wasser für das Kind äusserst anstrengend.

Heute werden zuerst Schwimmstile gelernt, bei denen die Kinder nur kurz zum Luft holen den Kopf aus dem Wasser heben und sich ansonsten horizontal unter Wasser tauchend oder auf dem Wasser liegend mit dem Gesicht im Wasser fortbewegen.
 

 

Diese sind für die Kinder einfacher lernbar und leichter auszuführen. Somit haben sie mehr Ausdauer und können eine weitere Distanz schwimmen. Für diese Schwimmstile wird jedoch vorausgesetzt, dass das Kind die Ausatmung ins Wasser beherrscht und den Kopf untertauchen kann.

 

Die Voraussetzungen zum Schwimmen lernen

 

Der Weg zum optimalen Bewegen im Wasser besteht aus drei aufbauenden Phasen:

  

1. Wassergewöhnung (ab Geburt)

- physikalische Eigenschaften kennenlernen
  (Kälte/Nässe/Auftrieb/Widerstand/Druck etc.)
- Vertrauen im Wasser schaffen / Ängste nehmen
- Atemtechnik („Bläterlen“) und Mundverschluss
- selbstbestimmtes Untertauchen
- Balance im Wasser
 

                       

2. Wasserbewältigung (ab ca. 2 Jahre) 

Die Wasserbewältigung umfasst das Üben und Beherrschen der vier Kernelemente Atmen, Schweben, Antreiben und Gleiten.
Wenn diese Phase abgeschlossen ist, kann sich
das Kind selbständig über Wasser halten und fortbewegen. (Seehund-Schwimmen) 


3. Kernbewegungen (ab frühestens ca. 5-6 Jahre) 

Die Kernbewegungen umfassen das Erlernen und Beherrschen der einzelnen Schwimmstile.  

Hierbei wird mit den Einfachsten und anatomisch Sinnvollsten begonnen (Eisbär, Kraul, Rückenkraul) und erst dann wird der Bruststil erlernt.


Zeitraum

Das Schwimmen Lernen beansprucht sehr viel Zeit. Alleine für die erste und zweite Phase brauchen die Kinder Jahre. Du solltest also mit der Zielsetzung beim Schwimmen lernen realistisch bleiben. Lass deinem Kind die Zeit, die es benötigt. Es wäre schade, wenn es plötzlich Angst hat oder sich überfordert fühlt.

Je häufiger und beständiger der Wasserkontakt stattfindet, und je früher damit begonnen wird, desto einfacher fällt in der Regel das Schwimmen lernen. Es zeigt sich, dass Kinder, welche bereits sehr früh mit (tiefem) Wasser, dem Duschen und Plantschen in Berührung gekommen sind und danach einen häufigen und regelmässigen Wasserkontakt erlebt haben, weniger Angst vor dem Wasser und dem Tauchen haben.


Tauchen

Es ist somit klar, dass das Kind vor dem Schwimmen lernen zwingend tauchen können muss. Da aber viele Kinder Angst vor dem vollständigen Untertauchen haben, ist es wichtig, ihnen das Ganze spielerisch beizubringen. Motiviere dein Kind, ohne es dazu zu drängen. Das Kind soll immer selber entscheiden dürfen, ob es eine Übung machen will oder nicht.

Wichtig dabei ist die Rolle der Vertrauensperson als Vorbild. Wenn du selber Angst hast vor dem Tauchen, ist es eher unwahrscheinlich, dass dein Kind daran Freude entwickelt, wenn es nicht noch andere Vorbilder hat oder bereits von Natur aus eine Wasserratte ist.

Auf das fremdbestimmte Untertauchen (unter Wasser drücken / ziehen) sollte aus gesundheitlichen und psychologischen Gründen unbedingt verzichtet werden.


Vorbereitung auf das selbständige Tauchen

Frühestens mit ca. 1 1/2 Jahren ist ein Kind in der Lage, bewusst und selbstbestimmt unterzutauchen. Mit gezielten Übungen (z.B. Tauchtiere unter Wasser) kann das Kind motiviert werden, SELBSTÄNDIG unterzutauchen. Vor dem ersten Tauchgang sollte das Kind das Auspusten ins Wasser („Bläterlen“) und den Mundverschluss beherrschen.

Auf das fremdbestimmte Untertauchen (unter Wasser drücken / ziehen) sollte unbedingt verzichtet werden!


Was Eltern tun können

Schaffe Wasserkontakt. Geh mit deinem Kind ins Schwimmbad, lass ihm Zeit in der Badewanne und erlebt das Wasser gemeinsam.

Wichtig ist, dass du weisst und verstehst, was du deinem Kind beibringen möchtest und weshalb es eine Übung können soll. Falsch oder unvollständig Beigebrachtes muss ansonsten in den Schwimmkursen bzw. im Schulschwimmunterricht oftmals mühsam wieder um-/abgewöhnt werden.

Das Übungsheft "Gumpifrosch lernt schwimmen" kann dir und deinem Kind beim Schwimmstart helfen. Weitere Infos findest du HIER.

Sollte dir etwas Schwierigkeiten bereiten oder kommst du alleine nicht mehr weiter, lass dir helfen. Es gibt viele Vereine und Schwimmschulen, welche Kurse zur Wassergewöhnung/ -bewältigung und zum Erlernen der Schwimmstile anbieten. Viele Krankenkassen unterstützen euch mit einem finanziellen Beitrag. Frag am besten direkt bei Ihrem Versicherer nach.

Je früher ein Kind eine gute Beziehung zum Wasser hat und je eher es wassergewöhnt ist, desto einfacher fällt ihm das Schwimmen lernen. Und umso früher ist es somit auch sicher im Wasser.

Am einfachsten machst du es deinem Kind, wenn du mit ihm gemeinsam einen Kurs (ElKi-Kurs) besuchst, bevor du es alleine in den Schwimmkurs schickst. Das Kind lernt am meisten, wenn eine Vertrauensperson mit dabei ist. Diese kann ihm während der ganzen Lektion als Assistent, unter Anleitung einer Fachperson, gezielt zur Hand gehen. Zudem erfährt die Begleitperson sehr viel über das Schwimmen lernen von heute und bekommt viele Tipps und Tricks im Umgang im und am Wasser.

 

Flügeli

Schwimmflügel sind äusserst praktisch, vor allem wenn man mit mehreren Kindern gleichzeitig im Wasser aktiv sein möchte. Bleibe aber dennoch immer in 2 Meter Griffweite.

Wenn du deinem Kind Schwimmen beibringen oder ihm bei der Vorbereitung dazu helfen willst, empfehle ich dir, die Schwimmflügel zu Hause zu lassen. Für das Toben und Üben im Wasser eigenen sich Poolnudeln und Schwimmbretter sehr gut.
Damit lassen sich in Bauch- und Rückenlage, sowie in jeder Schwierigkeitsstufe arbeiten. Voraussetzung dafür ist, dass du dir Zeit für dein Kind nehmen und ihm deine volle Aufmerksamkeit schenken kannst.

Wenn du nicht auf eine am Körper anliegende Schwimmhilfe verzichten möchtest, können wir dir die Schlori Schwimmkissen empfehlen. Diese bringen das Kind automatisch in die richtige horizontale Schwimmlage. Mehr dazu HIER 

 
 

Schwimm- und Taucherbrillen

  

Bis das Kind richtig schwimmen kann, sollte auf das Tragen von Schwimm- und Taucherbrillen verzichtet werden. Ansonsten muss es beim Schwimmen lernen mühsam wieder abgewöhnt werden. Um sich (auch im Notfall) unter Wasser zu orientieren, muss das Kind seine Augen unter Wasser öffnen können.