Säuglingstauchen NEIN


Allgemein

Es gibt keinen Grund, weshalb Säuglinge tauchen können sollten. Es fehlt jeglicher Beleg, dass sie dadurch schneller schwimmen lernen können. (Quelle: swimsports.ch)

Im Gegenteil: wird ein Kind gegen seinen Willen getaucht, kann es Angst bekommen und das Vertrauen ins Wasser und in seine Bezugsperson verlieren. Diese Angst später wieder abzubauen ist meist sehr schwierig.

Dies können Ihnen viele Erwachsene bestätigen, die beim eigenen Schwimmen lernen unter Wasser gedrückt oder gezogen wurden und noch heute keine gute Beziehung zum Wasser haben.

Und ich gehe davon aus, dass Sie persönlich das auch nicht mögen.

Auch das Argument mit dem Atemschutzreflex zählt nicht, da dies ein angeborener Reflex ist, der das Kind irgendwann während der ersten paar Lebensmonate verliert und welcher NICHT wieder antrainiert werden kann.


Tauchen im Babyschwimmkurs - eine Show für die Eltern

Leider ist es noch immer in vielen Babyschwimmschulen an der Tagesordnung, dass Säuglinge und Kleinkinder mehr oder weniger gegen Ihren Willen unter Wasser gedrückt oder gezogen werden, zum Teil mit haarsträubenden Methoden.

Es gibt Schwimmschulen, in denen die Kinder angepustet werden, um danach unter Wasser gezogen zu werden. Aber auch die Wassergusstest-Methode, bei der das Kind vor dem Tauchgang mit einem Wasserstrahl, der über den Kopf läuft, auf den noch vorhandenen Atemschutzreflex getestet wird, ist noch immer sehr beliebt. Diese beiden Methoden gehören m.E. dabei noch zu den harmloseren.

Denn es gibt auch Schwimmschulen, die drücken die Kinder völlig unvorbereitet unter Wasser und/oder stossen sie dann über eine Distanz von bis zu vier Meter unter Wasser hin und her.

Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich verschiedene Schwimmschulen zwecks Hospitationen besucht. Dabei war ich zufällig anwesend, als ein Unterwasser-Fotograf einen Eltern-Kind-Schwimmkurs besuchte. Die Kinder von wenigen Monaten bis ca. 2 Jahre wurden für die Fotos unter Wasser gedrückt, losgelassen und nach 2 Sekunden wieder „herausgefischt“.
6 der 7 anwesenden Kinder wurden fremdbestimmt getaucht, nur eine Mutter hat sich geweigert mitzumachen. 5 der 6 getauchten Kinder haben geschrien nach dem Auftauchen, eines hat auf die Mutter eingeschlagen. Und das alles nur für ein spektakuläres Foto. 


Show vor Gesundheit; sinnlose Übungen zur Unterhaltung der Eltern. Ist es das wirklich wert?


Noch schlimmer...

Im Jahr 2012 ist es in Ulm DL zu einem Ertrinkungsfall während einer Schwimmkurslektion mit Taucheinheit - glücklicherweise ohne Todesfolge - gekommen. Der behandelnde Kinderarzt, Dr. med. Manuel Schmid, Oberarzt der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin hat sich infolge dessen intensiv mit dem Thema befasst und die unten aufgeführten Fach- und Konsumenteninformationen publiziert.

Ich zitiere aus seiner E-Mail an mich:
"...Und da es einen erwiesenen Vorteil von Babytauchen nicht gibt kann ich nicht nachvollziehen, dass man seine Kinder absichtlich dem Risiko des Untertauchens aussetzt und sich auf einen Reflex verlässt, der das Überleben in Notsituationen sichern soll. Das ist ja etwa, als würde man sich auf den Greifreflex verlassen und sein Kind an der Wäscheleine aufhängen und im Wind tanzen lassen, oder als würde man das Flugzeug immer über die Notrutschen verlassen."

Merkblatt der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft zum Thema Babyschwimmen & -tauchen
Merkblatt_M3-001-14_.pdf (285.58KB)
Merkblatt der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft zum Thema Babyschwimmen & -tauchen
Merkblatt_M3-001-14_.pdf
(285.58KB)
Elternratgeber: Babyschwimmen - nützlich oder riskant
Babyschwimmen - nützlich oder riskant.pdf (135.33KB)
Elternratgeber: Babyschwimmen - nützlich oder riskant
Babyschwimmen - nützlich oder riskant.pdf
(135.33KB)


Unterlagen von Dr.med. Manuel Schmid - 1. Teil
Babytauchen - Caisson Teil 1.pdf (72.15KB)
Unterlagen von Dr.med. Manuel Schmid - 1. Teil
Babytauchen - Caisson Teil 1.pdf
(72.15KB)
Unterlagen von Dr.med. Manuel Schmid - Teil 2
Babytauchen - Caisson Teil 2.pdf (1.81MB)
Unterlagen von Dr.med. Manuel Schmid - Teil 2
Babytauchen - Caisson Teil 2.pdf
(1.81MB)


 

Und hier noch zwei Artikel aus dem Schweiter KTipp zum Thema:

https://www.ktipp.ch/artikel/d/eltern-schicken-ihr-baby-ungefragt-auf-tauchstation/
  

https://www.ktipp.ch/artikel/d/tauchen-trotz-verbot/


Mögliche gesundheitliche Folgen

Durch das mögliche Eindringen von Wasser in die Luftröhre in die Lunge und durch die Nase bis in das Innenohr sind starke Atemwegsinfektionen nicht auszuschliessen. Bei zu tiefem Tauchen kann allenfalls durch den Unterdruck das Trommelfell aus der Verankerung gerissen werden, was zu Blutungen führt. Reisst das Trommelfell erleidet das Kind durch das Eindringen von Wasser ins Mittelohr akuten Schwindel.


Vorbereitung auf das selbständige Tauchen

Wir empfehlen, Säuglinge und Kleinkinder dem Alter und den Kenntnissen entsprechend auf das Tauchen vorzubereitet. Mit einfachen Liedern und Spielen, mit Spritzen, Plantschen und Vortauchen werden die Kinder zum Mitmachen und Mittauchen animiert. 


Tauchen bei Kleinkindern

Erst ab ca. 1 1/2 Jahren kann das Kind mit gezielten Übungen (z.B. Ringli unter Wasser) motiviert werden, selbständig und selbstbestimmt unterzutauchen. Dazu sollte mit den Kindern im vornherein unbedingt der Mundverschluss und das "Bläterlen" geübt werden. Es gibt nichts Schöneres, als der Stolz in den Augen eines Kindes, wenn es ganz selber tauchen gelernt hat.



Wenn du zum Thema Tauchen noch Fragen hast, zöge nicht, mich zu kontaktieren.

077 440 81 86 / info@gumpifrosch.ch